DENKANSTÖßE

Ein Kommentar zum Karfreitag:

Pilatus sagte zu ihnen: Was soll ich dann mit Jesus tun, den man den Messias nennt? Da schrien sie alle: Ans Kreuz mit ihm!”
(Matthäus 27,22)

 

Frau von Bus erfasst - schwer verletzt. Die Fußgängerin wollte die Straße bei Rot überqueren. Es ist der vierte Unfall dieser Art innerhalb weniger Tage.”

Diese Nachricht einer Hamburger Tageszeitung war eigentlich nichts besonderes, ein leider alltägliches Unglück in einer großen Stadt. Ich las von der verunglückten Frau auf Facebook, dem großen sozialen Netzwerk im Internet, und wie so oft wanderte mein Blick von der Nachricht zu den Kommentaren, die andere Nutzer unter den Beitrag geschrieben hatten.

“Kein Mitleid! Was geht sie auch über Rot?”, war da zu lesen. “Mir tut nur der Busfahrer leid!” “Bei Rot über die Ampel: Solche Typen sehe ich jeden Tag. Selber schuld!!!“ “Ganz klar zu blöd für Verkehrsregeln!”

Es folgten weitere Kommentare dieser Art.

Und natürlich: Wenn die Frau die Verkehrsregeln beachtet hätte, wäre sie wahrscheinlich unbeschadet auf die andere Straßenseite gekommen, das ist nicht zu bestreiten. Sie hätte sich und anderen viel Unheil erspart.

Hatten die Schreier in der Facebook-Kommentarspalte da nicht vollkommen recht mit ihrem Urteil?

Ich habe mir vorgestellt, was in der Frau vorgegangen sein könnte, als sie die Straße überquerte: Hatte sie einen wichtigen Termin und musste unbedingt noch eine Bahn erwischen? War sie frisch verliebt und mit ihrem Kopf ganz woanders? War sie vielleicht in Sorge um ihren Sohn, den sie nicht auf dem Handy erreichte und irrte panisch umher?

Diese Gedankenspiele brachten mich der anonymen schwerverletzten Frau näher. Und plötzlich fühlte ich ein tiefes Mitleid - ein Mitleid, das das schuldhafte Verhalten der Frau für mich in den Hintergrund rückte. Diese Facebook-Episode ist bei weitem kein Einzelfall.

Ich habe mir mittlerweile abgewöhnt, die Kommentare unter Meldungen zu lesen, weil viele dieser Kommentare einfach unbarmherzig und menschenverachtend sind.

Woher kommt dieses Verhalten?

Eine Erklärung ist sicherlich die relative Anonymität, aus der heraus Nutzer in den sozialen Medien verbal um sich schlagen können. Sie sind Teil einer anonymen Masse, die sich auf ein Opfer stürzt. Mein Beispiel mit der verletzten Fußgängerin ist da sicherlich noch harmlos.

Eine ähnliche Dynamik erleben wir in der grölenden Masse in Jerusalem, die Jesus förmlich ans Kreuz brüllen möchte. Keine Barmherzigkeit, keine Gnade - wir wissen zwar nicht genau, was dieser Jesus verbrochen hat, aber wir wollen Blut sehen!

Dieses Verhalten scheint so weit weg von uns zu sein, dabei kommt es uns oft bedrohlich nahe. Manchmal ist die Versuchung groß, Teil des Mobs zu werden, Teil des Hasses und der Unbarmherzigkeit.

Aber: wir können uns auch entscheiden eben nicht mitzuspielen, wenn alle anderen mitmachen.
Wir können uns entscheiden, keine Witze über den Arbeitskollegen zu machen, über den alle lachen. Wir können uns entscheiden, nicht über Politiker XY zu hetzen, der sich gerade in einen Skandal verstrickt hat.

Denn diese Dynamik hat Jesus ans Kreuz gebracht - wir Christen sollten es also besser wissen als der Rest der Welt.

Erleben Sie am heutigen Karfreitag die Geschichte von Jesus auf Bibel TV, zum Beispiel in der für zwei Emmy Awards nominierten Bibelverfilmung "Die Bibel - Jesus" heute Abend ab 20:15 Uhr und spüren Sie der Botschaft der Liebe und Barmherzigkeit Christi nach.

Ich wünsche Ihnen dafür Gottes reichen Segen.

 

(von Daniel Deman im Newsletter von BibelTV am Karfreitag 2017)

 

 

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